Natürlich sind dabei auch schon einige gestorben, das lässt sich nicht leugnen. Doch man muss es von der Seite aus betrachten, dass Magie immer mehr gibt als zu nehmen. Das, was sie sich holt, kann kaum der Rede wert sein.
Welche bedauernswerte Person, in der Kälte frierend, ohne Heim, Essen und ohne eine einzige, freundlich gesinnte Seele, hätte die Möglichkeit ausgeschlagen, mal, vielleicht das erste Mal in seinem Leben, an einer festlichen Tafel zu sitzen und sich den Wanst vollschlagen zu dürfen? An einer reich gedeckten Tafel, mit Speiß und Trank, so viel und so köstlich, alles was das Herz begehrt, ohne Besteck und ohne Scham.
Oder, wenn die Seele fürchterlich am Mangel an Berührung leidet, erlaubt die Magie die Möglichkeit der Begegnung mit einer Person, die, exquisit gekleidet und von anziehender Gestalt, sich - ob innerhalb der Wohnung oder außerhalb - zu einem setzt, liebevoll, verlangend. Mit warmen, Gansehaut verursachenden Fingern und Lippen über Wange, Lippen, Hals streicht, mit flinken Bewegungen, begleitet von sanften Küssen und kleinen Bissen dann und wann, bis beide komplett nackt in ihrer eigenen Schönheit, unter den Augen der Sterne sitzen und sich in einem Feuerwerk aus Lust und Ekstase vereinen. Je länger man in diesem Zustand bleibt, desto deutlicher nimmt man eventuell die rötlich werdenden Augen dieser fantastischen Kreatur wahr, die gleichfalls rote, dunkle Haut, die beeindruckenden Hörner am Kopf. Aber, um der Wahrheit die Ehre zu geben, was spielen diese Kleinigkeiten für eine Rolle? Vielleicht hat man seine Seele verloren. Vielleicht hatte man aber kurz vor seinem Tod noch den besten Sex seines bisherigen Lebens.
Interessanter trifft es eher die Kinder, diese angeblichen unschuldigen Geschöpfe. Nur die Magie entlarvt, was viele wirklich sind: eiskalte, dunkle Geschöpfe der Nacht, in einer Hand der abgerissene Kopf eines Stoffhäschens, in der anderen eine Ode an den Weihnachtsmann. Kleine Schattenwesen, die in dieser Art von Nächten den Zauber der Sterne in ihre Zimmer beschwören, an der Decke hängend und leise flüsternd. Es ist ungeklärt und unbegreiflich, was kindliche Ohren in Nächten wie diesen zu hören bekommen, aber die Sprache ist so dunkel, dass einem für gewöhnlich das Blut in den Adern gefriert und der Ton so hart und doch so leidenschaftlich, als sängen die Sterne genaue Anweisungen für die Entfachung des nächsten Kriegen oder die neuesten und besten Filtermethoden galaxieweit. Und wenn dir Kinder sich dann schlafen legen und am nächsten Morgen erwachen, könnte man bemerken, dass ihre Augen mehr funkeln, mehr so wie der Sternenhimmel. Aber wem macht man etwas vor, das fällt niemandem auf.
Man braucht keine Angst vor diesen Nächten zu haben. Da verstecken sinnlos erscheint, kann man lediglich so offen wie möglich an die Situationen herangehen, sich Alkohol, eine Zigarre und oder ähnliches besorgen und der Dunkelheit entgegen fiebern, erwartungsvoll, gespannt. Es muss natürlich auch gar nichts geschehen. Die Nacht kann beginnen und vorbeigehen und es ist nichts geschehen: keine kleinen, bunten Wesen wurden zwischen Bäumen gesichtet, keine umherfliegenden Blumen voller Edelsteine, keine Ehemänner/frauen beim Betrug erwischt, keine erfrorenen Menschen gefunden und keine Familienmitglieder von ihren Kindern ermordet worden. Rein gar nichts.
Apropos; wird es nicht langsam dunkel?
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