Samstag, 17. Februar 2024

Nachtmagie

In manchen Nächten, wenn die Sterne besonders hell funkeln, der silbrige Mondschein die Umgebung so perfekt ausgeglichen erhellt, dass dennoch genügend düstere Flecken mit Platz für Monster übrig bleibt. Und wenn der Wind auf diese gewisse Art und Weise durch dürre Äste rauscht und eine Melodie ertönen lässt, die einen eher an Knochen als an Holz denken lässt - dann ist es die Zeit, in welcher der Schleier zu anderen Welten nur noch herrlich dünn ist und wunderbare Magie in der Lage ist, eine Nacht lang alles möglich werden zu lassen. Beabsichtigt oder nicht, Kreatur oder ein magischer Faden, ganz gleich was einen in dieser Nacht berührt; es bleibt unvergesslich.

Natürlich sind dabei auch schon einige gestorben, das lässt sich nicht leugnen. Doch man muss es von der Seite aus betrachten, dass Magie immer mehr gibt als zu nehmen. Das, was sie sich holt, kann kaum der Rede wert sein. 

Welche bedauernswerte Person, in der Kälte frierend, ohne Heim, Essen und ohne eine einzige, freundlich gesinnte Seele, hätte die Möglichkeit ausgeschlagen, mal, vielleicht das erste Mal in seinem Leben, an einer festlichen Tafel zu sitzen und sich den Wanst vollschlagen zu dürfen? An einer reich gedeckten Tafel, mit Speiß und Trank, so viel und so köstlich, alles was das Herz begehrt, ohne Besteck und ohne Scham. 

Oder, wenn die Seele fürchterlich am Mangel an Berührung leidet, erlaubt die Magie die Möglichkeit der Begegnung mit einer Person, die, exquisit gekleidet und von anziehender Gestalt, sich - ob innerhalb der Wohnung oder außerhalb - zu einem setzt, liebevoll,  verlangend. Mit warmen, Gansehaut verursachenden Fingern und Lippen über Wange, Lippen, Hals streicht, mit flinken Bewegungen, begleitet von sanften Küssen und kleinen Bissen dann und wann, bis beide komplett nackt in ihrer eigenen Schönheit, unter den Augen der Sterne sitzen und sich in einem Feuerwerk aus Lust und Ekstase vereinen. Je länger man in diesem Zustand bleibt, desto deutlicher nimmt man eventuell die rötlich werdenden Augen dieser fantastischen Kreatur wahr, die gleichfalls rote, dunkle Haut, die beeindruckenden Hörner am Kopf. Aber, um der Wahrheit die Ehre zu geben, was spielen diese Kleinigkeiten für eine Rolle? Vielleicht hat man seine Seele verloren. Vielleicht hatte man aber kurz vor seinem Tod noch den besten Sex seines bisherigen Lebens. 

Interessanter trifft es eher die Kinder, diese angeblichen unschuldigen Geschöpfe. Nur die Magie entlarvt, was viele wirklich sind: eiskalte, dunkle Geschöpfe der Nacht, in einer Hand der abgerissene Kopf eines Stoffhäschens, in der anderen eine Ode an den Weihnachtsmann. Kleine Schattenwesen, die in dieser Art von Nächten den Zauber der Sterne in ihre Zimmer beschwören, an der Decke hängend und leise flüsternd. Es ist ungeklärt und unbegreiflich, was kindliche Ohren in Nächten wie diesen zu hören bekommen, aber die Sprache ist so dunkel, dass einem für gewöhnlich das Blut in den Adern gefriert und der Ton so hart und doch so leidenschaftlich, als sängen die Sterne genaue Anweisungen für die Entfachung des nächsten Kriegen oder die neuesten und besten Filtermethoden galaxieweit. Und wenn dir Kinder sich dann schlafen legen und am nächsten Morgen erwachen, könnte man bemerken, dass ihre Augen mehr funkeln, mehr so wie der Sternenhimmel. Aber wem macht man etwas vor, das fällt niemandem auf.

Man braucht keine Angst vor diesen Nächten zu haben. Da verstecken sinnlos erscheint, kann man lediglich so offen wie möglich an die Situationen herangehen, sich Alkohol, eine Zigarre und oder ähnliches besorgen und der Dunkelheit entgegen fiebern, erwartungsvoll, gespannt. Es muss natürlich auch gar nichts geschehen. Die Nacht kann beginnen und vorbeigehen und es ist nichts geschehen: keine kleinen, bunten Wesen wurden zwischen Bäumen gesichtet, keine umherfliegenden Blumen voller Edelsteine, keine Ehemänner/frauen beim Betrug erwischt, keine erfrorenen Menschen gefunden und keine Familienmitglieder von ihren Kindern ermordet worden. Rein gar nichts. 
Apropos; wird es nicht langsam dunkel? 

Donnerstag, 15. Februar 2024

Goldherz

Unter einer Pappelfeige,
saß ein Wesen zaubergleich, 
geformt aus hellem Sternenstaub,
umgeben von einem Blumenmeer,
leicht sich im Winde wiegend, 
glühende, kleine goldene Funken 
in sattem Grün.


Als langsam die Sonne den Horizont küsste, 
erschien unter dem Baume,
eine Schattengestalt, eine dunkle Kreatur,
zerfressene, wabernder Schwaden 
samtiger Sternennacht,
eine finstere Hand, 
zur Sternengestalt ausgesteckt.


Da zersprang der Körper des Sternenwesens,
in Myriaden von glitzernden, 
glühenden Splittern,
zu einem neuen Etwas, 
einer Schreckensgestalt:
ein feuriger Drache, unsagbar groß, 
spitze Hörner,
ein bluttriefendes Maul, schwarze Flammen umzüngeln die Flügel.


Statt der goldenen Blüten, dem Gras - verbrannte Erde,
statt dem mächtigen Baum - 
Gold, Überfluss an Schätzen.
Der Kopf neigte sich hinunter zum Schattenwesen,
die Augen prüfend auf es gerichtet,
 reizbar glitzernd,
bedrohliche Flammen huschten
über die dunklen Schuppen.


Die Schattengestalt kniete sich nur nieder,
berührte mit der Hand das sterbende Land,
und aus den Fingern, 
mit Fäden der Sternennacht,
entstanden goldene, schimmernde Blüten, durchzogen von sattem Schwarz 
bis unter die Füße des Drachen.


Der Drache indess neigte den Kopf 
vor dem Schatten,
und erneut zersprang die Gestalt, d
das Sternenwesen,
doch nun war sie Stern, 
Feuer und Schuppen, 
und mitten im Brustkorb der echten Kreatur,

glüht es und pocht - ein goldenes Herz.




Interpretation der Autorin:

Der Text soll auf die Nichtexistenz von Gut und Böse hindeuten sowie auf Akzeptanz und mögliche Liebe einer Person gegenüber, ganz gleich aus welchen Verhältnissen sie kommt und was sie alles erlebt hat. Jeder Mensch hat positive als auch negative Eigenschaften, die alles um einen herum zum blühen oder zum brennen bringen können. Jede Person ist wundervoll und wunderbar, gerade wegen diesem Mix aus Eigenschaften und auch wenn es etwa auch für andere vielleicht nicht so scheint dass man einen guten Umgang pflegt, (Freunde wie der Schatten) wenn man mit sich selbst im Klaren ist, authentisch und im Gleichgewicht ist, kann diese Person auch "böse" sein - für jemand anderen ist sie es nicht. Wirkung und Sein ist nicht dasselbe. 

Der Schatten bietet dem Sternenwesen die Freundschaft an, obwohl sie so offensichtlich unterschiedlich sind. Der Bodhi-Baum gilt dabei als Zeichen des Friedens.  Der Stern will den Schatten zeigen, dass er nicht so wunderbar und schön ist wie der Schatten glaubt, sondern auch aus negativem besteht, die vorherrschenden Eigenschaften eines Drachen: Blutlust, Aggressivität, Gier, Zorn, Stolz, Eitelkeit, Boshaftigkeit. Er verbrennt alles um sich herum, tut anderen möglicherweise weh und begräbt die Blumen unter Gold - er zeigt Egoismus, stellt materielle Dinge über schöne Dinge. Er stellt den Schatten auch auf die Probe: schau mich an, du kannst so was nicht wirklich mögen wollen. Doch der Schatten sieht nicht nur den Drachen und legt eine Spur aus Blüten zu ihm, wiederhergestellt aus den guten Seiten des Drachen und den positiven Gefühlen dem Drachen gegenüber die der Schatten hat, auch wenn er selbst nicht die beste Person ist. Der Drache zeigt sich nun in seiner wahren Gestalt, einer Person die er wirklich ist, postive und negative Erfahrungen und Eigenschaften miteinander vereeint ergeben einen Menschen mit einem goldenen Herzen, Personen, das entstanden ist aus beiden Seiten. 

Jede Person ist ein Ergebnis vieler Faktoren. Das macht sie nicht gut oder böse. Sie kann trotzdem wunderbar sein und alles wert sein. Jeder Mensch kann sich immer ändern, sich ändern lassen zu etwas schönem, geliebt und gemocht werden.